Warten, Reparieren und Dämmen

Ein Hausdach muss einiges aushalten: Schnee und Eis ebenso wie Sonne und
Regelmäßiges Sanieren ist Pflicht
 
Bremen. Im Winter sind es die Schneebretter, im Frühling lockere Dachziegel: Fällt etwas vom Dach, haftet der Besitzer für Schäden. Die Gefahren, die von schlecht gewarteten oder einfach zu alten Dächern ausgehen, sind hoch – und weitreichender als nur Regeneinfall oder ein ent- weichen von Wärme wegen eines Lecks. Dächer müssen daher regelmäßig überprüft, gewartet, geputzt, repariert und auch saniert werden. Die Schönheitsmängel dort oben fallen zuerst auf: Patina durch Umwelteinflüsse sowie Algen, Flechten und Moose beunruhigen Hausbesitzer oft. Doch von einer Reinigung der Dachdeckung mit Hochdruckreiniger und einer nachträglichen Beschichtung des Daches, die oft als kostengünstige Alternative zur Sanierung gepriesen wird, raten Experten ab.

Denn eine Hochdruckreinigung könne bei falscher Handhabung Schäden an der Dacheindeckung hinterlassen, sagt etwa die Architektin Eva Reinhold-Postina vom Verband der Privaten Bauherren. Auch die Dämmschicht kann dabei durchnässt werden. Die Arbeiten hätten in erster Linie nur einen optischen Effekt und seien auf keinen Fall eine Sanierung, ergänzt Werner Neumann von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover. Außerdem sei die Reinigung oftmals gar nicht notwendig: „Moos, Algen und Flechten auf Dachdeckungen schaden nicht. “ Sie seien vielmehr ein Zeichen für gute Umweltbedingungen. Bei saurem Regen wachse auf dem Dach nichts. Die wirklich schwerwiegenden Mängel auf dem Dach fallen dagegen oftmals auf den ersten Blick nicht auf: Durch undichte Anschlüsse von Schornsteinen, Gauben und Dachflächen-Fenstern oder durch verschobene Ziegel kann Feuchtigkeit ins Innere eindringen. An den Firstziegeln löst sich mit der Zeit der Mörtel, und bei Sturm fliegen die Ziegel dann hinunter. Beim unsachgemäßen Begehen können einzelne Ziegel brechen. Schneefanggitter, Dachrinnen, Antennen und Solaranlagen können sich durch Schnee, Eis und Stürme lockern.

Einzelne defekte Ziegel oder Dachsteine ließen sich leicht auswechseln, sagt Reinhold-Postina. Auch bei größeren Schäden müsse nicht unbedingt neu gedeckt werden. Oft helfe geschicktes Umdecken. Eine Neu-Beschichtung aber lohne sich genauso wie eine Reinigung oftmals nicht, sagt Neumann:“Finanziell betrachtet ist es sinnvoller, über eine komplette Sanierung als über die Reinigung und Beschichtung nachzudenken.“ Denn dafür wird häufig annähernd so viel verlangt wie für eine Neueindeckung, so seine Erfahrung aus der Verbraucherberatung.

Für eine Sanierung spricht für Neumann auch, dass gleichzeitig die Wärmedämmung unter dem Dach verbessert werden kann. Denn hat das Dach Schäden, kann die Dämmung durch Lecks feucht geworden sein und Schimmel sich dort breit gemacht haben. Außerdem sei in vielen alten Häusern kaum oder gar kein Dämmstoff eingebaut. Anders als optische Maßnahmen steigere ein saniertes Dach auch den Wert der Immobilie. Eine neue Dämmung hat weitere Vorteile im Sommer: An heißen Sommern steigen die Temperaturen in schlecht gedämmten Dachwohnungen oft auf unerträgliche Werte. „Gegen die Hitze der Sonne schützt die Dachdämmung genauso zuverlässig wie gegen die Kälte des Winters“, sagt Werner Eike-Henning vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. „Esin guter Wärmeschutz im Steildach hat heute eine Dämmschichtstärke von 20 bis 30 Zentimetern.“

Abhängig vom Material können regelmäßig gewartete, geneigte Dächer eine sehr lange Lebensdauer haben. „ Es gibt Ziegeldächer, die weit über hundert Jahre als sind“, sagt Reinhold-Postina.

-Weser Kurier Sonnabend, 9. April 2011 von Stephanie Hoenig